Gewalt in Kinderheimen: Biografischer Film und Podiumsgespräch setzen Impulse für den Kinderschutz

Am Vormittag des 24. Februar 2026 zeigte der Landesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen in Bayern (LVkE) im Casablanca Filmkunsttheater in Nürnberg seinen Film „Ich wollte leben, aber ich wusste nicht, wie …“ – ein biografischer Filmbeitrag zum Thema Gewalt in Kinderheimen. Veranstaltet wurde der Filmvormittag gemeinsam mit der LVkE-Mitgliedseinrichtung Walburgisheim Feucht aus der Diözese Bamberg. Die Veranstaltung setzte ein bewusstes Zeichen gegen das Vergessen und für die kontinuierliche Stärkung von Kinder- und Gewaltschutz in Einrichtungen der Jugendhilfe.

Unvorstellbares Leid – exemplarische Lebensgeschichten

Im Zentrum des Films stehen die eindrücklichen Berichte von Brigitte Molnar und Peter-Alfred Blickle. Beide schildern ihre Erfahrungen in Kinderheimen der Nachkriegszeit. Ihre Lebensgeschichten stehen stellvertretend für das Schicksal vieler ehemaliger Heimkinder.

Was sie berichten, ist kaum zu fassen: vom Zwang, Erbrochenes erneut essen zu müssen, über massive körperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch bis hin zu tiefgreifenden seelischen Verletzungen. Besonders prägend war das Gefühl, keinen Wert zu besitzen, keine eigene Identität entwickeln zu dürfen und keinerlei Schutz zu erfahren.

Der Film verzichtet auf Dramatisierung und lässt die Betroffenen sachlich berichten – gerade dadurch entfaltet er eine nachhaltige emotionale Wirkung. Deutlich wird, wie stark die erlittene Gewalt Biografien bis ins Erwachsenenalter prägt: durch Bindungsstörungen, Scham- und Schuldgefühle, Brüche in Bildungs- und Erwerbsbiografien sowie langjährige psychische Belastungen.

Gesellschaftliche und politische Verantwortung

Im Anschluss an die Filmvorführung diskutierten auf dem Podium mit Brigitte Molnar und Peter-Alfred Blickle:

  • Kerstin Celina, Mitglied des Bayerischen Landtags
  • Michael Endres, Diözesan-Caritasdirektor Bamberg
  • Florian Kaiser, Teamleitung Zentrum Bayern Familie und Soziales – Bayerisches Landesjugendamt
  • Frank Schmidt, stellvertretender Leiter des Stadtjugendamts Nürnberg
  • Stefan König, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Seraphisches Liebeswerk Bayern

Die Moderation übernahm Michael Eibl, Vorsitzender des LVkE.

Die Diskussion machte deutlich: Die Aufarbeitung von Gewalt in Einrichtungen ist kein abgeschlossener Prozess, sondern eine dauerhafte Verantwortung. Transparenz, verbindliche Schutzkonzepte, Beteiligungsrechte junger Menschen, unabhängige Beschwerdestrukturen sowie eine kontinuierliche fachliche Weiterentwicklung sind zentrale Voraussetzungen, um Kinder und Jugendliche wirksam zu schützen. Das war und ist allen Beteiligten ein spürbares Anliegen, was Michael Eibl in seiner Moderation einfühlsam herauskristallisierte.

Haltung und Auftrag des LVkE

Der LVkE setzt sich seit vielen Jahren intensiv mit diesem dunklen Kapitel der Heimgeschichte auseinander. Die kritische Aufarbeitung institutioneller Gewalt ist fester Bestandteil der Verbandsarbeit. Ebenso wichtig ist es, die gewonnenen Erkenntnisse konsequent in Ausbildung, Lehre und Praxis zu verankern und Mitarbeitende durch gezielte Qualifizierung für Fragen des Kinderschutzes und Gewaltschutzes zu sensibilisieren und zu stärken.

Michael Eibl betonte in seinem Schlusswort:  „Wer Verantwortung für junge Menschen trägt, darf vor der eigenen Geschichte nicht die Augen verschließen. Aufarbeitung ist keine Belastung – sie ist die Voraussetzung für Glaubwürdigkeit, für Vertrauen und für wirksamen Kinderschutz. Dazu gehört auch, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kontinuierlich zu qualifizieren und zu befähigen, Schutzkonzepte im Alltag konsequent umzusetzen.“

Der Vormittag im Casablanca Kino war damit mehr als eine Filmvorführung. Er war ein klares Bekenntnis: Das Geschehene darf nicht in Vergessenheit geraten – und der Schutz von Kindern und Jugendlichen muss dauerhaft Maßstab professionellen und gesellschaftlichen Handelns bleiben.

Auch der Bayerischer Rundfunk berichtete über die Veranstaltung.
Ein Beitrag wurde in der Sendung Frankenschau aktuell ausgestrahlt und ist weiterhin in der Mediathek des BR abrufbar.

 

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